Erfolg gegen Usenet-Portalseiten-Szene

Am 08. und 09.11.2017 hat eine konzertierte Durchsuchungsmaßnahme für einen Zusammenbruch der deutschsprachigen Usenet-Portalseiten-Szene gesorgt. Unter der gemeinsamen Leitung mehrerer Landeskriminalämter und Schwerpunktstaatsanwaltschaften gelang den durchführenden Beamten die Abschaltung von 13 solcher widerrechtlichen Internetangebote. Zwei Personen wurden festgenommen sowie Rechenzentren in Deutschland, Spanien, den Niederlanden, in San Marino, der Schweiz sowie in Kanada durchsucht. Die Polizisten beschlagnahmten zahlreiche Rechner und schriftliche Unterlagen, die nun ausgewertet werden. Die GVU hat diesen Erfolg durch umfangreiche Vorermittlungen und Stellung von Strafanträgen initiiert und die Verfahren im Weiteren intensiv unterstützt.

Komfortabler Zugriff auf Millionen unlizenzierter Filme, Spiele, Bücher

Usenet-Portalseiten-Systeme ähneln in Benutzeroberfläche und Aufbau den großen und bekannten Portalseiten-Systemen, wie KinoX, Boerse & Co. Sortiert in Kategorien und angereichert um Abbildungen, Beschreibungen und Bewertungen bieten sie auch wenig technik-affinen Internetnutzern einen komfortablen Zugriff auf eine unüberschaubare Menge unlizenzierter Filmen, Serien, pornografischer Inhalte, E-Books, Zeitungen und Zeitschriften, Hörbücher sowie Games für PC und Konsole. Allein die in diesem Großverfahren angegangenen illegalen Seiten ermöglichten den illegalen Download von rund zweieinhalb Millionen solcher Inhalte. Sie wurden nach GVU-Analysen zuletzt mehrere Millionen Mal pro Monat besucht.

Parasitäres Geschäftsmodell durch Verbund mehrerer Dienste

Anders als Filehoster-Portalseiten bilden Usenet-Portalseiten nicht mit Online-Speicherdiensten im World Wide Web (www) ein parasitäres Geschäftsmodell, wie etwa mit Uploaded oder share-online. Die Betreiber von Usenet-Portalseiten arbeiten vielmehr mit Usenet-Zugangsanbietern (Providern) zusammen. Im Verbund generieren diese Dienste illegale Profite, indem sie die Popularität von professionellen Medieninhalten ausnutzen. Dazu nutzen Usenet-Portalseiten-Systeme die kaum kontrollierbare Struktur eines weiteren Internet-Netzwerks als Speicherort für ihr illegales Angebot: das Usenet.

Illegale Vermarktung durch Verschlüsselung, kostenpflichtigen Zugang und behaupteter Anonymität

Durch Verschlüsselung stellen die Verantwortlichen sicher, dass die über ihre Seite erreichbaren Inhalte nicht von anderen Usenet-Besuchern nutzbar sind. Kostenpflichtige und prominent beworbene Usenet-Provider bilden eine Haupteinnahmequelle. Mit der Behauptung, Downloads aus dem Usenet seien nicht nachvollziehbar und damit für Nutzer ungefährlich, bewerben sie ihre Projekte. Szene-Gerüchte besagen zudem, dieses Netzwerk sei auch für Uploader und die Portalseitenverantwortlichen sicherer als das www.

Usenet als Schlupfloch gegen steigenden Verfolgungsdruck

Diese Beobachtung bestätigte die GVU darin, ihre bereits vor sechs Jahren aufgenommenen Ermittlungen gegen Usenet-Portalseiten-Systeme zuletzt zu intensivieren. 2011 stand noch die These im Vordergrund, Uploader von Filehoster-Portalseiten nutzen Usenet-Portalseiten als Quellen. Nach Verurteilung der kino.to-Verantwortlichen, dem internationalen Fall Megaupload und der Niederlage von Rapidshare vor dem BGH im Jahr 2012 registrierte die GVU erste Meldungen auf mehreren bekannten Filehoster-Portalseiten, sie hätten infolge des Verfolgungsdrucks ihr Download-Angebot ins Usenet ausgelagert. Dieser Druck wuchs erneut im Jahr 2014 durch die konzertierten, erfolgreichen GVU-Aktionen gegen Filehoster-Portalseiten-Systeme (z.B. Boerse.bz, Leecher.to) sowie deren Uploader.

Intensive Verfahrensbetreuung nach „follow-the-money“

Um das Schlupfloch „Usenet“ zu stopfen, stellte die GVU dann Strafanträge inklusive umfangreicher Indizien und Dokumentationen gegen Verantwortliche von zentralen Usenet-Portalseiten und förderte den Verfahrensverlauf durch weitere Analysen sowie Unterstützung des Informationsaustauschs zwischen den jeweils verantwortlichen Schwerpunktstaatsanwaltschaften und LKAs. Nach dem Ansatz „follow-the-money“ lag dabei ein Hauptaugenmerk auf dem Zusammenwirken von Portalseiten und Usenet-Providern. Die gelungene Zusammenarbeit gipfelte im jetzt erreichten Erfolg.